Angstklauseln, Angstfooter, Disclaimer

Jeder kennt sie, fast jeder hat einen, keiner liest ihn, die meisten haben ihren einfach von woanders kopiert.

Leider benutzen viele Benutzer des Kommunikationsmediums E-Mail immer noch einen irgendwo kopierten Footer am Ende ihrer Mails, sog. Angstklauseln (beeindruckende Sammlung diverser, teils erstaunlich langer Disclaimer).

Neben dem als Tatsache zu wertenden Umstand, dass diese Angstfooter juristisch unwirksam sind, liest sich ein durchschnittlicher Angstfooter in etwa so:

  • Diese E-Mail und etwaige Anhänge können vertrauliche und/oder rechtlich geschützte Informationen enthalten.

Und trotzdem schicke ich diese Daten unverschlüsselt über das Internet. So sehr interessiert mich der Datenschutz.

  • Falls Sie nicht der angegebene Empfänger sind oder falls diese E-Mail irrtümlich an Sie adressiert wurde

Ich bin mit dem Medium Internet nämlich nicht besonders vertraut und es ist mir nicht zuzumuten, sicher zu stellen, dass ich die richtige E-Mail-Adresse auswähle.

  • benachrichtigen Sie uns bitte in diesem Fall sofort durch Antwort-E-Mail

Konsequenterweise müsste ich hinweisen, auf keinen Fall den „Antworten“ Button zu nutzen, da ja dann die empfangene Mail zitiert wird und man gegen weitere Punkte in dieser Mail verstößt. Weiterhin verteilt der irrtümliche Empfänger die irrtümlich erhaltenen, geheimen Informationen noch mal, wieder unverschlüsselt.

  • und löschen Sie diese E-Mail nebst etwaigen Anlagen von Ihrem System.

Das ist problematisch, wenn man eine GDPdU-konforme E-Mail-Archivierung besitzt (so etwas biete ich übrigens an) und diese dafür nun manipulieren soll. Ich empfehle hier einen Termin beim Rechtsberater, um informiert abwägen zu können.

  • Ebenso dürfen Sie diese E-Mail oder ihre Anlagen nicht kopieren oder an Dritte weitergeben.

Auch hier verstoße ich eigentlich schon automatisch gegen diese Auflage, wenn ich ein IMAP-Postfach oder eine Archivierung habe, eigentlich auch, wenn ich auf meinem Computer, Tablet und Smartphone die gleiche Mail empfangen habe.

 

Ein weiteres Gedankenexperiment: Angenommen, Sie hätten so einen Disclaimer am Ende Ihrer Mail, unter Ihrer geschäftlichen Signatur, die ja – das ist so vorgeschrieben – neben Kontaktmöglichkeiten auch Informationen über Gesellschaftsform, Gerichtsstand, Geschäftsführer etc. enthält und dadurch schon mehrzeilig gerät.

Schicken Sie sich mit Ihrem Disclaimer mal selbst eine Mail. Jetzt antworten Sie auf diese Mail, wieder mit Disclaimer, und antworten Sie nun noch mal darauf. Jetzt nehmen Sie Ihr Smartphone und scrollen Sie die Mail von oben nach unten durch. Wenn Sie das den ganzen Tag machen müssen, weil Sie viele Mails mit Disclaimern erhalten, haben Sie bald eine Sehnenscheidenentzündung.

Ich kann nur empfehlen, vor dem Hintergrund juristischer Irrelevanz und den Nerven der Empfänger der Mails wirklich zu überlegen, ob man  durch einen juristisch unwirksamen Disclaimer die falsche Information senden möchte.