Terminalserver-Probleme mit OS X

Update: Microsoft hat halb-öffentlich eine neue Version des Clients veröffentlicht, der auch unter 10.7/10.8 funktionieren soll: Remotedesktopverbindung 2.1.2 (Downloadlink direkt von dieser Seite und ohne Gewähr).

Eines der nervigsten Probleme beim Einsatz eines Microsoft Terminal Servers ist die Meldung, dass es Lizenzprobleme gäbe und daher die Verbindung nicht aufbaubar sei. Neben dem seltenen Fall, dass wirklich alle CALs (Client Access License) belegt sind, ist das Problem meistens auf das mangelhafte Softwaredesign zurück zu führen.

Auf einem Windows-Client kann man das Problem, dass laut Meldung die Lizenz ungültig sei, sehr einfach in der Registry lösen, in dem man den Eintrag HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\Microsoft\MSLicensing komplett löscht – hier der Microsoft-Artikel dazu.

Auf dem Mac sieht die Geschichte aber ganz anders aus, wenn beim offiziellen Remote Desktop Client von Microsoft die Meldung “Sie wurden vom Windows-basierten Computer aufgrund von Lizenzierungsprotokollproblemen getrennt.” bzw. “You were disconnected from the Windows-based computer because of problems during the licensing protocol.” kommt.

Was nicht funktioniert

Es gibt im Internet folgende Ratschläge und Infos, wie man dieses Problem auf dem Mac löst, wenn man den aktuellen Microsoft Client (Stand heute: Version 2.1.1) benutzt.

  • Den Inhalt von /Users/Shared/Microsoft RDC Crucial Server Information/ löschen (Äquivalent zum Registry-Eintrag auf den Windows Rechnern)
  • Laut diesem Blog nach o.g. Aktion den RDC Client Version 1 von Microsoft laufen lassen, da der die Lizenz im Gegensatz zur Version 2 richtig wiederherstellen können soll (Problem 1: Der Client verbindet sich mit keinem neueren als Windows 2003 Server, Problem 2: Version 1 ist eine Carbon App, die Rosetta erfordert, sie läuft also schlecht unter OS X 10.7 und 10.8 – ausserdem funktioniert die vorgeschlagene Lösung sowieso nicht)
  • Auf dem Terminal Server die komplette Lizensierung der Terminaldienste löschen, Zertifikate löschen und dann mit dem Microsoft Clearinghouse die Lizenzen neu aktivieren, nach dem der Server neu gestartet wurde (auf solche Ideen kommen auch nur Leute mit zu viel Zeit…)
  • Die Lizenzen auf dem Terminal Server von per Client auf per Gerät oder umgekehrt switchen (dabei ging es doch bisher immer und nun plötzlich nicht mehr, die Auswahl war also gar nicht so verkehrt, wie sie war…)
  • Terminalserver neu installieren usw. usw.
  • Beim Überfliegen einiger Blogs und Artikel zu diesem Problem habe ich gelesen, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, Microsoft dazu zu kontaktieren. Nach dem “Supporter-Hopping” (der Mann sprach mit 10 verschiedenen Leuten) erreichte er wohl endlich jemanden, der das Problem schon kannte. Es ist ein Bug im Mac-Client, der hoffentlich im nächsten Release behoben wird. An dieser Stelle bitte ich den geneigten Leser dazu, sich seinen Teil selbst zu der allgemeinen Abwimmelfloskel “das ganze wird im nächsten Release behoben” zu denken, die jeder Softwarehersteller im Repertoire hat.

Lösung

Lange Rede, kurzer Sinn: Bevor man sich überhaupt auf die Suche macht, den Microsoft Remote Desktop Client zu fixen, sollte man gleich CoRD benutzen. CoRD ist kostenlos, open source, bringt gleich ein Interface mit, durch das man auch mehrere RDP-Sessions organisieren kann, ohne einen Ordner voller RDP-Dateien zu haben, und außerdem macht CoRD nicht die Faxen wie der MS-Client. Natürlich kann man RDP-Dateien einfach mit CoRD öffnen. Und es ist die einzige Lösung, die mir eingefallen ist.
Seit ein paar Tagen steht eine neue Version von CoRD bereit, die auch unter Mountain Lion funktioniert.

 

Wozu überhaupt Terminal Server?

Viele meiner Kunden benutzen neben ihrem Mac auch eine Verbindung zu einem Microsoft Terminalserver. Sei es zur Benutzung eines Buchhaltungsprogramms, das nur unter Windows läuft oder die Anbindung einer Außenstelle – der Terminalserver von Microsoft ist ein bewährtes Stück Software und ich bin schon fast ein Fan davon. Wieso?

Die Microsoft Terminal Services sind auch bei extrem knapper Bandbreite sehr effektiv, so dass ein ganzes Büro mit 10 Mitarbeitern über eine einzelne DSL-Leitung angebunden und mit hohen Bildschirmauflösungen arbeiten kann. Das beschränkt sich natürlich auf nicht grafische Arbeiten. Man kann ein gesamtes Unternehmen mit 30 Arbeitsplätzen sehr günstig ausstatten, in dem man einen starken Server als Terminalserver einsetzt und alle Benutzer mit sog. Thin Clients (Mini-Computer, die sparsam sind und nur sehr wenig kosten, allerdings auch wenig mehr können, als sich zu einem Terminalserver zu verbinden) verbindet. Ist ein Arbeitsplatz ausgefallen, nimmt man einen neuen Thin Client aus dem Schrank und der Arbeitsplatz ist in 15min wieder einsatzbereit.